Gesund und ökologisch renovieren mit Natur-Farben und -Putzen

Wände und Decken belegen die größten Oberflächen im Raum. Deshalb ist ihr Aufbau

und Ihre Beschichtung besonders wichtig für ein angenehmes und gesundes Raumklima.

 

Natur-Farben und -Putze  werden meist in Pulverform angeboten und erst vor Ort

angerührt und mit Pigmenten abgetönt. Das spart Gewicht und damit Transportkosten, ermöglicht

eine ökologische Verpackung (Papiersack statt Kunststoffgebinde) und macht Konservierungsmittel (Biozide) überflüssig.

Kalkkaseinfarbe in Papiersäcken / Farbproben

Kasein-, Kalk-, Silikat-, Leim- und Lehmfarben sowie Roll- und Streichputze auf Kasein-, Kalk- oder Lehmbasis haben eine angenehme, samtig matte Textur, die die Farbwirkung vertieft und lebendig macht. Sie sind diffusionsoffen und antistatisch. Wasserdampf kann aufgenommen und abgegeben werden,

die Luft wird nicht entionisiert und Staub wird nicht angezogen und verwirbelt. Damit verschmutzen

die Wandoberflächen auch weniger. Kalkputze und Kalkfarben sind hochalkalisch. Dadurch wirken

sie antibakteriell und verhindern das Entstehen von Schimmelpilzen. Deshalb werden sie gern

in Feuchträumen eingesetzt. Da gebrannter und gelöschter Kalk mit Kohlendioxid aushärtet und

dieser Prozess nie ganz aufhört, nimmt er immer weiter Kohlendioxid aus der Raumluft auf.

 

Noch Mitte des vorigen Jahrhunderts waren Maler darin geübt, ihre Anstriche nach überlieferten Rezepturen selbst an zu mischen. Als jedoch die chemische Industrie gebrauchsfertige Farben auf den Markt brachte, wurden diese Fähigkeiten nahezu vergessen. Synthetische Farben und aus Erdöl gewonnene Bindemittel standen scheinbar unbegrenzt und billig zur Verfügung und ein Cocktail aus chemischen Zusatzstoffen machte sie unverderblich und leicht verarbeitbar. Der Siegeszug der Kunstharzdispersions-farben begann und seitdem weiß kein Maler oder Heimwerker mehr genau, was er da verarbeitet.

Nach der ersten Erdölkrise 1972 begannen kleine mittelständige Unternehmen sich mit alten Farbrezepturen zu beschäftigen und diese weiter zu entwickelten. Inzwischen gibt es ein großes

Angebot an hochwertigen natürlichen Oberflächenbehandlungen.

 

Naturfarben haben viele Vorteile gegenüber Kunstharzdispersionsfarben: volldeklarierte Zusammensetzung, keine synthetischen Bestandteile, gesundheitlich unbedenkliche Substanzen auf mineralischer und pflanzlicher Basis. Sie sind wesentlich umweltfreundlicher bei der Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung.

 

Naturharzdispersionsfarben bestehen aus 100 Prozent natürlichen Rohstoffen und sind diffusionsoffener, als Kunstharzdispersionsfarben, weil sie statt synthetischer Bindemittel pflanzliche Öle und Harze enthalten. Sie sind sehr strapazierfähig. Allerdings sind auch sie filmbildend und haben eine geringere Diffusionsfähigigkeit, als rein mineralische Farben. Außerdem enthalten sie meist Balsamterpentin- und Zitrusschalenöle als Lösemittel, welche in die Raumluft abgegeben werden. Auch diese natürlichen Lösemittel können im Einzelfall Augen und Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Deshalb ist bei

der Verarbeitung und während der Trocknungsphase auf ausreichende Lüftung zu achten.

 

Naturfarben können sehr preiswert und mit etwas Experimentierfreude selbst hergestellt werden.

Einfacher ist es allerdings, auf Produkte professioneller Hersteller zurück zu greifen.

Wenn ein Farbpulver angerührt und mit Farbpigmenten abgemischt wird, ist zumindest noch ein Teil

der Arbeit „Selbermachen“. So kann für Heim- wie Handwerker wieder ein sinnlicher Bezug zu den verwendeten Materialien entstehen.

 

Farbtonrezepturen
Natur-Farben und -Putze

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Kommentare: 2
  • #1

    Katharina Köller (Dienstag, 21 Oktober 2014 20:32)

    Als "potentielle Verbraucherin" finde ich den Beitrag sehr inspirierend, er macht Lust auf Renovieren, Spiel mit Farbe und nimmt die Scheu vor Experimenten. Bei der nächsten Gelegenheit dieser Art werde ich ihn sicher im Kopf haben.

  • #2

    Peter Lucke (Montag, 16 März 2015 20:42)

    Kann mich nur Anschließen!